

Auf diesen Seiten finden sich kürzere und längere Texte zu aktuellen Fragen, Kommentare zu verschiedenen Themen im Zusammenhang mit Qigong usw. Die Texte werden von unten nach oben eingestellt, so dass man immer von neu nach älter hinunterlesen kann.
ZHAI: Im poetischen Sinn "die Klause", "die Stube", im buddhistischen Sinn auch "vegetarisches Essen" - Orte an denen man sich trifft, austauscht, im bescheidenen Umfeld zu Hause fühlt. Der Begriff "Dao Yuan Zhai" bedeutet also in etwa "Treffpunkt für Personen, die eine Affinität zum Dao empfinden". Links zwei Schriftzeichen mit der Bedeutung "Zhai".

Zur Zeit der Öffnung des Qigong
in China gab es Prüfungen für diejenigen, die in der
Öffentlichkeit Qigong unterrichten wollten. Bewertet wurden
theoretische Kenntnisse und praktische
Fähigkeiten.
Praktische Fähigkeiten im Qigong
sind Fähigkeiten, Qi auszusenden. Mit ausgesendetem Qi kann
einiges bewerkstelligt werden, z.B. wachsen mit Qi bestrahlte
Pflanzen gut. Das ist eine verbreitete Fähigkeit, die auch ohne
Qigong funktionieren kann. Mit der Praxis geeigneter Formen des
Qigong werden derartige Fähigkeiten gestärkt, entwickelt und
spezifiziert. Absolventen des NJG3 der Dao Yuan Schule können
Qi über sehr große Entfernungen senden: so, dass die Empfänger
es deutlich spüren können, die Sender dabei aber keinen Verlust
an Ursprungs-Qi erleiden. Die Entwicklung derartiger
Fähigkeiten ist charakteristisch für klassisches Qigong. Dieses
umfasst Übungen im Stehen, im Sitzen, im Liegen und im Gehen.
Übungen in Bewegung nannte man bis vor einigen Jahrzehnten
"Yang-Sheng-Gong", also "Übungen zur Lebenspflege". Diese
Übungen können aber die Fähigkeit, Qi auszusenden, nicht
erreichen; dies ist auch nicht deren Fokus. In dieser
"chinesischen Gymnastik" wird durchaus auch Qi entwickelt,
jedoch nicht in einem Umfang, dass es ausgesendet werden
sollte.
Mit diesem Text wiederhole ich mich etwas. Der Anlass ist eine ebenso wiederkehrende Tatsache: Formulierungen der Dao Yuan Schule werden immer mal wieder gerne verwendet, bis hin zur Imitation von Ergebnissen, zumindest zur Verwendung von deren Namen. Hier handelt es sich um die Verwendung des Begriffes "Qigongmeister" im Zusammenhang von Übungen, die eher zum Yang-Sheng-Gong gehören. Davon, dass diese so ausgebildeten Meister dann imstande sein könnten, Qi auszusenden, steht in dieser Beschreibung nichts. Doch diese Ausbildung - diese Ausbildung von "Qigongmeistern" - wird von der Zentralen Prüfstelle für Prävention anerkannt. Das wirkt auf Kenner der Materie in etwa so, als würde ein Maurerlehrling als Meister anerkannt, wenn er Rigips an der Wand befestigen kann.
Xie Zhu-Fan, ein bekannter Arzt der westlichen und chinesischen Medizin hat die obige Frage - was ein "Qigongmeister" sei, sehr deutlich beantwortet: "Qigongmeister sind Personen, die Qi zielgerichtet auf andere aussenden können." - Im Auszug aus einem seiner Bücher (s. rechts) befindet sich die Stelle mit diesem Zitat.
Das "Große Kompendium des Chinesischen Qigong" habe ich mit Meister Guo Bingsen im Jahr 2002 im Tempel der weißen Wolke in Peking erstanden. Es ist groß, dünnseitig, voluminös und hat über 1712 in kleinen Schriftzeichen beschriebene Seiten.
An dieser Stelle möchte ich nur einen kleinen Absatz zitieren, der auch den oben erwähnten Unterschied zwischen Qigongmeister und Qigongmeister betrifft:
Ursprünge, Teil 1
Ursprünge
(I) Die Entstehung des Begriffs „Qigong“
Forschungen zufolge erscheint der Begriff „Qigong“ im Werk *Yunji Qiqian* aus der Tang-Dynastie, genauer gesagt im *Zhongshan Yukui Fuqi Jing* (中山玉匮服气经), insbesondere im Abschnitt über „Fötale Atmung und Federtransformations-Gong“ (胎息羽化功). Dort heißt es: „Die wunderbaren Kapitel über Qigong beschreiben die Methoden der Qi-Kultivierung, die im Wesentlichen gleich sind. Die Beherrschung der eigenen Methode führt zur Weltherrschaft [Bedeutung: "Beschränkt man sich auf eine gute Methode, dann erreicht man das, was mit jeder guten Methode erreicht werden kann", E.G.] Darüber hinaus beinhalten verschiedene Schulen der Atemkontrolle ausgefeilte Techniken und zahlreiche Erklärungen.“ Das *Shengzheng Zhengfa* (圣正正法) erklärt in seinem vierten Kapitel: „Es beschreibt die göttliche Kraft der Atemkultivierung, die schrittweise zum Pfad der Fötusatmung führt.“ Dies bezieht sich auf die Praxis der Atemkultivierung und der Fötusatmung. Der Begriff „Qigong“ wird auch im *Lingjianzi* (灵剑子), das Xu Xun aus der Jin-Dynastie zugeschrieben wird, und im *Taishang Lingbao Jingming Jiaozong Lu* (太上灵宝净明教录), herausgegeben von Hu Dezhou und Hu Hongdao, erwähnt. Hier bezeichnet „Qi“ jedoch die Kunst der Atemkontrolle und „Gong“ Verdienst, nicht Fertigkeit. (Anmerkung: Das Buch *Ling Jian Zi* wurde möglicherweise von einem Autor der Song-Dynastie verfasst.) Gegen Ende der Qing-Dynastie erläuterte das erste Kapitel „Eine kurze Erklärung des Qigong“ der *Geheimnisse des Shaolin-Boxens*, verfasst vom Meister von Zunwozhai, die Bedeutung des Qigong-Trainings und der Qigong-Praxis für Kampfsportler und trug so maßgeblich zur Anerkennung des Qigong als Bestandteil der Kampfkunst bei. Die Anwendung des Qigong zur Selbstkultivierung und Gesundheitsvorsorge findet sich erstmals im *Klassiker der Berge und Meere* sowie in den Werken von Laozi und Zhuangzi; seine klinische Anwendung wurde erstmals im *Huangdi Neijing* beschrieben. Der Begriff „Qigong-Therapie“ entstand 1933 mit Dong Zhirens Buch *Spezielle Behandlungsmethoden für Lungentuberkulose: Abgekürzt als Qigong-Therapie*. Nach der Gründung der Volksrepublik China entwickelte und förderte Liu Guizhen die Qigong-Therapie, deren Name mit zunehmender Verbreitung der Praxis weite Verbreitung fand. [Oft liest man, Liu Guizhen habe den Begriff "Qigong" als erster für seine Übungen verwendet; doch tat dies auch Dong Zhiren. Damit waren diese beiden die ersten, die den Begriff "Qigong" in eine größere Öffentlichkeit brachten. Die ihn vorher seit Langem verwendet hatten, zogen es wohl vor, ihn nicht in der großen Öffentlichkeit zu verwenden. E.G.]
(II) Die Bedeutung von Qigong
Was heute als Qigong bezeichnet wird, umfasst im Allgemeinen Atemübungen, geführte Übungen, Visualisierung, stilles Chanten, innere Alchemie, Meditation, esoterische Praktiken und bestimmte „magische Künste“ usw. Eine genauere Betrachtung zeigt jedoch, dass einige sogenannte „Qigong“-Praktiken weder Qi-Kultivierung noch Qigong-Übungen im eigentlichen Sinne darstellen, sondern lediglich Methoden. All diese werden heute unter dem Begriff Qigong zusammengefasst. [Wie oben geschrieben, wurde früher ein Unterschied zwischen Yang-Sheng-Gong Übungen und Qigong gemacht, der auch so benannt wurde und an dem sich auch Xie Zhufang (s.o.) orientierte. Entsprechend einer KI-Information bezieht sich der Begriff "Qigong" in China seit einigen Jahren hauptsächlich auf die dort im medizinischen Bereich verwendeten Qigongformen. Da sich die KI irren kann, ist das jedoch keine Information aus erster Hand. E.G.]
Übersetzung: Google
Auf dieses Kompendium kommen wir gelegentlich zurück, dann vermutlich unter der Rubrik "Theorie".
Einer der Texte von Guo Bingsen hatte den Titel "Une Surprise" - "Eine Überraschung". In diesem Text erzählt er, wie er seinen Meister kennengelernt hat, wie dessen Qigong-Unterricht aufgebaut war, wie er in den Westen kam, was man bei allen Unterschieden von modernen westlichen und alten chinesischen Unterrichtsmethoden erhalten muss, damit die Quintessenz des Qigong nicht verloren geht. usw.
Im Folgenden ein Absatz aus diesem Text, der reflektiert, wieso man Menschen im Qigong nicht unterrichten kann, als wären sie Computer, die man programmiert:
"Die Ziele der Dao Yuan Schule:
1) Unterricht von Übungen (Fan Teng Gong), die zur Kräftigung der Gesundheit und zur Lebensverlängerung der Teilnehmer beitragen können.
2) Ausbildung von Schülern bis zu einem höheren Niveau, auf dem sie die Fähigkeit entwickeln können, gesundheitliche Probleme mit Qi zu regulieren.
3) Ausbildung von Lehrern des Dao Yuan Qigong. Wer das Dao Yuan Qigong unterrichten will, muss an einer Prüfung teilnehmen (schriftliche Theorie, Übungspraxis und mündlicher Teil). Zunächst wird die einfache Unterrichtserlaubnis für Fan Teng Gong erteilt. Personen, die nur an einem Kurs teilgenommen haben, erhalten keine Unterrichtserlaubnis von uns. Das wäre nicht seriös. Nach einem Kurs hat man die Übungen noch nicht ausreichend praktiziert und das Niveau ist nicht hoch. Man kann nicht richtig unterrichten und weiß nicht, wie man das Niveau der Teilnehmer entwickeln kann. Wer unterrichten möchte, muss ein Niveau haben, das sehr viel höher ist als das der Teilnehmer.
In Spanien hatte ein Lehrer einer anderen Qigongform an einem Kurs für Nei Jing Gong 1 und Fan Teng Gong teilgenommen. Er forderte mich auf, alle Übungen des Nei Jing Gong 1 auf einmal zu unterrichten. Ich habe ihm geantwortet, dass man zuerst eine Übung praktiziert und wenn man das Ergebnis dieser Übung erreicht hat, bekommt man die folgende Übung. Damit war er nicht zufrieden und hat in einem Internetforum verbreitet, ich würde die Leute betrügen. Er wollte offensichtlich nur die Form der Übungen lernen und sie dann selber in seinen eigenen Kursen weitergeben. Das ist nicht unterrichten. Das ist die Übungen der Reihe nach verkaufen. Das kann das Niveau und die Fähigkeiten der Teilnehmer nicht entwickeln. Das ist, was wir nicht wollen. Wir unterrichten die Übungen, um das Niveau der Teilnehmer zu verbessern, damit sie ein wirkliches Ergebnis bekommen und nicht nur die Reihenfolge der Übungen kennen.
Um dieses wirkliche Ergebnis zu erfahren, führt die Dao Yuan - Schule Prüfungen für Absolventen des Nei Jing Gong 1, des Nei Jing Gong 2 und des Nei Jing Gong 3 durch.
In diesen Kursen senden die Teilnehmer der Reihe nach je einzeln Qi auf den Rücken eines anderen Teilnehmers aus. Nachdem das Nei Jing Gong 1 vollständig geübt wurde, haben die Teilnehmer die Fähigkeit, Qi über eine Entfernung von 14-22 Metern auszusenden. Nachdem das Nei Jing Gong 2 praktiziert wurde, haben die Teilnehmer die Fähigkeit, das Qi über 100 Meter auszusenden und nachdem das Nei Jing Gong 3 vollständig praktiziert wurde, haben sie die Fähigkeit, Qi über hunderte von Kilometern auszusenden. Dies sind regelmäßig die Ergebnisse dieser Prüfungen."
Guo Bingsen
Manche sehen es etwas skeptisch - anderen hat es möglicherweise geholfen: das Fernsehen beim Qigong-Üben.
Qigong ist nicht gleich Qigong. Manche Übungen legen Wert auf stilles Sitzen, andere erlauben es den Übenden nicht nur, sich beim Üben zu unterhalten, sondern sie lehnen es nicht einmal ab, beim Üben fernzusehen.
Im Fan Teng Gong, einer der wirkungsvollsten Qigongformen, die in China zur Zeit des "Qigong-Fiebers" in die Öffentlichkeit kam, sind sogar beide Übungsmöglichkeiten enthalten: Die Übungen im Stehen entwickeln ihre Wirkung aufgrund der Fußposition und wechselnder Handhaltungen zum Körper. Hierbei ist es völlig gleichgültig, ob man an alles mögliche denkt; alles mögliche erzählt; alles möglich anhört, z.B. Musik, Spanischkurse; alles mögliche anschaut, z.B. den Sonnenuntergang vor dem Fenster oder die letzte Fußballsendung: Diese Übungen sind so stark, dass die schnell dabei entwickelte Zirkulation genau die Reaktionen hervorruft, die der Übende gerade braucht.
Bestimmte Einschränkungen sind notwendig, in anderen Bereichen sind Anpassungen ans Umfeld möglich. Zum Beispiel schlug Guo Bingsen Ehepartnern gemeinsames Fernsehen vor, um Unstimmigkeiten oder gar Eifersucht aufs Qigong zu vermeiden: einer übt, der/die andere betrachtet eine Fernsehsendung, damit ist eine bestimmte Nähe für beide gegeben - trotz der neuen Aktivitäten des einen Partners.
Während der Sitzmeditation des Fan Teng Gong, deren Handhaltung die Wirkungen der Übungen im Stehen unterstützt, kommen wir innerlich zur Ruhe: "alles ist ruhig, alles ist still." Keiner kommt dabei auf die Idee, sich mit seinem Sitznachbarn zu unterhalten.




Qigong in Farbe


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